Freitag, 21. Oktober 2022

November '17

Am Herbst liebe ich den frühen Nebel. Beschlagene Windschutzscheiben, mit verlaufenden Herzen versehen. Fancy Kaffeesorten. Und ich bin glücklich, denn alles riecht nach Zimt, Kürbis und Regen. Auch wenn es noch nicht schneit, liegt Kunstschnee in jeder meiner Lieblingsserien. Die Sonnenuntergänge sind im Herbst besondere Kunststücke. Brennendes Rot im Himmel, goldene Blätter an den Bäumen. Und ich backe schon Weihnachtsgebäck. Kuschelsocken über dicke Kniestrümpfe und Strumpfhosen. Doch das, was ich am meisten am Herbst liebe ist, wenn man sein Atmen in der Kälte sehen kann, wenn die Wangen und die Nase rot von der Kälte werden. Wenn mein braunes Haar, wie die Blätter an den Bäumen, in der Sonne Gold leuchtet, und meine Augen jede einzelne Farbe annehmen.

Und auch wenn ich nicht mehr weiß, was du so treibst, denke ich an die Zeit im November zurück. Wo wir noch keine Masken getragen haben, und ich mein Atmen in der Kälte sehen konnte. Wo ich dich noch öfter sah. Beschlagene Zugfenster. So gerne hätte ich unsere Initialen an ihnen hinterlassen. Doch dann hätte ich dabei zusehen müssen, wie diese ineinander verlaufen würden. Daneben sind wir jedoch immer nur aneinander vorbeigelaufen. Meine Hände in der warmen Jackentasche. Wie gerne ich nach deiner Hand gegriffen hätte. Doch schon damals, ein Jahr vorher im Dezember, wusste ich, dass du viel zu früh meine Hand loslassen würdest. „Call it what you want“, sagte ich. „Ich kann das nicht genau einschätzen“, sagtest du.


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