Montag, 9. Oktober 2023

seismic quake

Als ich die Tür aufschlage, sehe ich dich sofort. Mein Dozent steht mit dir vor seinem Büro. Er winkt mir zu. Mit einem Lächeln sagt er, "Na, schau mal einer an. Ihr seid im Partnerlook", und zeigt dabei auf unsere ähnlichen Outfits. Du trägst eine rote Stoffhose und ein schwarzes T-Shirt. Ich trage meine neue rote Cordhose und ebenfalls ein schwarzes Oberteil. Mein Outfit, was mir heute Morgen vor dem Spiegel noch gefallen hat, scheint jetzt wie ein Fremdkörper an mir zu kleben, als sei es drei Nummern zu groß für mich. Neben dir, fühle ich so viel kleiner. Neben dir fühle ich mich wie ein verlorener Clown. Ich versuche, deinen Blick zu vermeiden, während meine Wangen vor Hitze glühen. Die Stille zwischen uns ist unerträglich, denn sie ist ohrenbetäubend. Ich weiß, was nun kommt, und ich habe recht. Mein Dozent stellt dich als "Unser neuer Mitarbeiter für das Projekt", vor, und erwartet vermutlich, dass wir uns begrüßen. Doch ich nicke nur. Vermutlich wäre jetzt der Zeitpunkt zu sagen, dass ich dich bereits kenne. Hast du Angst davor, dass ich sagen könnte, ich kenne dich bereits?
-"Woher? Oh, er hat mir ein Universum an meine Zimmerdecke gemalt und dann mein Herz gebrochen.", müsste ich dann sagen.
Du bist ohne ein Wort verschwunden. Dafür hasse ich dich heute immer noch. Denn ich ertrinke jedes Mal in einem Meer voller ungesagten Wörtern und unbeantworteten Fragen. Blicke, die wir austauschen, und die, die wir nicht austauschen, sind Schläge mitten in mein Herz. Jeder davon erinnert an das, was wir waren und nie wieder sein werden. Wie kannst du nachts schlafen? Wie kannst du es wagen, hier mitzuarbeiten? In meinem Kopf argumentiere ich wie ein kleines Kind. Ich will das nicht. Ich war hier zuerst. Das ist meine Abteilung, nicht deine. Geh weg. Du gehörst hier nicht her. Aus meinem Rucksack krame ich mein Paper raus. Ich habe das Gefühl, mein Körper bebt auf Erdbebenstärke 9,2.

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