Montag, 3. August 2026

goddamn

Liebeskummer und Liebeserklärungen sind an den ranzigen Wänden beschrieben.  
Beschmückt mit jeglichen Stickern. 
Meine Freunde sagen: 
"Liebe fühlt sich an, als sei man süße 17."
Nur dass nichts daran süß ist, wenn man erwachsen ist. 

Schmeißt du mit Hinweisen um dich? 
Habe ich das Lesen verlernt, wenn ich deine Signale nicht richtig interpretieren kann? 
Willst du, dass ich zu deiner Kunstausstellung komme? 
Ich würde gerne vorbeischauen, wenn du mich direkt fragen würdest.

Also fahre ich an dem Wochenende nach Wien. 
Und übergebe mich auf der Donauinsel, weil du dich jetzt gerade vielleicht in jemand anderen, jemand cooleren verlieben könntest. 

Der Schmerz überkommt mich. 
Als hättest du mir deine Faust in meine Magengrube gerammt. 
Oder vielleicht hat sie es auch getan. 
Oder vielleicht war ich es selbst. 
Was spielt es für eine Rolle? 

Schmeiße ich mit Hinweisen um mich?
Hast du das Lesen verlernt, wenn du meine Signale nicht richtig interpretieren kannst? 
Will ich, dass du zu meinen Vorträgen erscheinst? 
Ja, verdammt. 
Du kannst wie immer in der ersten Reihe sitzen. 
Am Ende kannst du dich mit unseren Kommilitonen unterhalten, wenn du mir versprichst, dass du dein Interesse nicht vortäuscht.

Und ja, du kannst mir ruhig eine Nachricht schreiben, 
und meine Nächte mit deinen Fragen über biogeochemische Prozesse füllen. 
Ich würde zufällig erwähnen, dass meine Freunde in einer Woche beim Open-Air-Kino verabredet sind, und du herzlich eingeladen bist.  

Auf dem Rückweg können wir die Straßenlaternen mit Stickern unserer Fakultät bekleben. 
Du kannst mich zur Bushaltestelle begleiten. 
Und sagen: "Jetzt musst du meine Freunde kennenlernen."
Dann könntest du mich zu deinem Geburtstag einladen. 
Ich würde dir gerne zusagen, 
wenn du mir versprichst, mein Herz nicht zu brechen. 

Mittwoch, 22. Juli 2026

Die Angst, der Elefant und der Drache.

Ich besitze die schlechte Eigenschaft, meinen Freunden schöne Dinge aus meinem Leben nie zu erzählen.
Oder die schlechten. 
Sie müssen mir alles aus meiner Nase ziehen.  
Spreche ich meine Ängste laut aus, kann ich sie nicht mehr zur Seite schieben. 
Dann steht plötzlich der Elefant im Raum. 
Und ich bin der Raum. Und ich bin aus Glas.

Du hast diese coole Art, die alles so einfach aussehen lässt. 
Wie du dein Buch liest, mit deinen Kopfhörer und deinen Drachentattoos.
Ich glaube, dass alles so einfach wäre, nur weil du lachend vor mir stehst. 
Lass mich nicht fallen. 

Die Welt ist nicht schwarz-weiß, aber das Urteil meiner Mitmenschen über mich ist es. 
Manche sagen, ich sei zu sanft. Die anderen sagen, ich sei zu unfähig. 
Egal wo die Wahrheit liegt, sie ist hässlich.
Hoffe, du siehst das Spektrum. 

Ich habe keine Erklärung, wenn meine Freunde mich fragen, 
was ich hier so herumgeistere.
Du stehst mir direkt gegenüber. 
Schaust mich erwartungsvoll an. 
Und ich kann nicht sprechen, 
weil du meine Fassade durchschaust. 

Ich könnte niemals so cool sein, 
mit meinen Büchern und meinen pseudo physikalischen Philosophien. 
Oder mit meiner Maske, mit meinem Grinsen und meinen Witzen, 
die ich erzähle, um von mir abzulenken. 
Und du stehst mir direkt gegenüber. 
Schaust mich erwartungsvoll an. 

Sonntag, 12. Juli 2026

You throw the keys

Wir trafen uns im Winter, doch du erinnerst mich an den Sommer. 
Fuhren mit dem Rad durch die Stadt. Die Sonne war gerade am Untergehen. 
Dachten, jede Tür würde uns offen stehen. 
Jedes Problem wird irgendwann zu Ende gehen. 
Und meine Gefühle werden niemals vergehen.
Rückblickend roch die Luft nach Petrichor. 

Du warst mal weich. 
Zeit machte dich hart. 
Liege nachts wach, und flüstere: 
"Ich hoffe, sowas passiert mir nie."
Klautest mir meine Schlüssel.
Jetzt müssen wir uns den gleichen Straßennamen teilen. 
Spider-Man, der freundliche Nachbar von nebenan. 
Deine Augen sind Eis. 
Vielleicht hast du dich an mir verbrannt. 
Willkommen in der Nachbarschaft. 

Du hörst mich lachen, und dein Tag ist ruiniert. 
Ich bin wie ein nerviger Song, den du jedes Mal im Supermarkt in Dauerschleife hörst. 
Aber insgeheim glaube ich, dass du mein Kryptonit bist. 
Stehe mit meinen Freunden in deinem Territorium. 
Dass ich dich hier antreffen würde, wusste ich, 
weil das Pech immer auf meiner Seite ist. 
Vielleicht hasst du mich, 
weil ich dich an eine Version von dir erinnere, die du nicht mehr bist. 
Denn selbst wenn du in Indien wärst, 
könnte ich deine Blicke auf mir spüren. 

Von meinen heimlichen Groll kannst du niemandem erzählen.
Weil du weißt, dass ich wie eine Nachricht bin, die du bereust, versendet zu haben,
als du zu tief ins Glas geschaut hast. 
Und nun kannst du am nächsten Morgen deinen Freunden voller Scham nicht davon erzählen. 
Es passt nicht in dein selbstgemaltes Bild. 

Ich bekam meine Schlüssel nie zurück. 
Also stellte ich eine Kiste zum Verschenken vor die Tür. 
In der Hoffnung, dass du sie hineinwerfen wirst. 
Damit sie jemand anderes mitnehmen kann. 
Nun gehören die Schlüssel nicht mehr mir. 

Samstag, 20. Juni 2026

Inferno

Regen war im Sommer noch nie so traurig.
Die Liebe traf mich immer wie ein Trockenblitz. 
Ohne meine rosarote Brille sah ich wegen meiner Sehschwäche nichts. 
Laufe viel zu schnell die Treppe herunter, nur um dir "Hi" zu sagen. 
Versuche nicht runterzufallen. 
Meine Knie sind dabei bereits aufgeschlagen. 
Ich tanze mit dem Feuer, und meine Hände sind verbrannt. 
Mein Herz schlägt mir in den Bauch. 
Hoffentlich spielen wir nicht Katze und Maus. 
Es gibt eine Regel, die besagt, wie ich gewinnen kann, aber die Spielregeln fallen mir nicht ein. 
Meine Karten liegen bereits offen auf dem Tisch. 
Mein Buch ist aufgeschlagen. 
Du musst nicht zwischen den Zeilen lesen. 
Ich will dir nicht die kalte Schulter zeigen, ich will mit dir im Park sitzen, um im Sommer die Zeit zu vertreiben. 
Reich mir endlich deine Hand, dann kann ich meinen Freunden von dir erzählen. 
Unsere Geschichte erscheint mir wie ein Déjà-vu. 
Ich habe ein ungutes Gefühl. 
Du strahlst, lass mich nicht in der Dunkelheit stehen. 
Deine Augen funkeln, ich hoffe, sie fangen kein Feuer. 

Gasoline

Traf ihn im Hörsaal für Höhere Mathematik.
Ich dachte, er sei cool, er sei lieb. 
Er war es nicht. 

Jahrelang spielten wir Katze und Maus. 
Ich verlor jeden Tag. 
Jetzt kenne ich all die Regeln.
Nun bereut er es, dass er mir zu viel beibrachte. 
Doch ich habe das Spielfeld verlassen.

Meine Freunde kennen jede Gemeinheit, 
kennen jeden Grund, 
warum ich mein Bett nicht verlassen konnte.  

Er schlug wie ein Blitz ein, 
verursachte Brände. 
Sein geschenktes Gefäß
brachte mir Unheil. 

Seine Augen brannten wie Feuer, 
und ich war Benzin. 
Ohne mit der Wimper zu zucken, zündete er mich an, 
als sei er Ares.

Nun sieht sein Lebenslauf makellos aus. 
Aber seine Weste sieht nur im Licht weiß aus. 

Freitag, 12. Juni 2026

Rot bis Violett

Du findest mich cool, weil ich auf der Party zu Blondie tanze und alle Lieder von Fall Out Boy mitsingen kann. Jeder Typ, dem ich begegnet bin, sah mich als eine Farbe. Du siehst mein ganzes Farbspektrum. Du willst jede Wellenlänge von 380 bis 750 Nanometern kennenlernen. 

Zeit war nie mein Freund. Mein Schicksal musste ich immer selber in die Hand nehmen, und selbst dann war es nicht für mich bestimmt. Und die Geschichte wurde schon tausendmal geschrieben, aber ich versuche es jedes Mal wieder. Doch dann bin ich am Ende doch zu schüchtern, um dir "Hi" zu sagen. Mein Schicksal vermassel’ ich jedes Mal selbst. Langsam kann ich das Gefühl nicht mehr ignorieren. Langsam muss ich es jemandem erzählen. 

Hoffentlich endet die Nacht nie, damit du nie müde von unseren Gesprächen werden kannst. Hoffentlich rauchst du deine Zigarette nie zu Ende, damit du keinen Grund zum Gehen hast. Ich will jede Wellenlänge von 380 bis 750 Nanometern kennenlernen.  

Verzweifelte Taten folgen aus verzweifelten Situationen. Trotzdem kann ich nicht mit dir nach Hause gehen. Oder meinen Freunden von dir erzählen. Zeit war noch nie so brutal. Aber du bist das Lied, das ich mit 14 tanzend in meine Bürste vor meinem Spiegel sang, und die Geschichten, die ich mit 16 schrieb; du bist der Tagtraum, an einem traurigen Tag am See, als die Sonne am Untergehen war. 

Donnerstag, 11. Juni 2026

Bühnenbild

Grinsend stehe ich vor dir. Du denkst noch, deine Wörter federn ab, wie ein Sprung auf einem Trampolin. Ich hatte es mir fest geschworen, keinen Satz ernst zu nehmen. Doch du triffst mich nicht mehr im Büro an, obwohl ich dir gesagt habe, dass ich die Aussicht lieben würde. Vermutlich denkst du, ich hätte dich angelogen. Sieht so aus, als hätte ich mich mal wieder selbst belogen, als ich meinte, ich würde mich deshalb nicht einschränken.  

Ich heule mir die Augen aus, aber mein Gesicht ist steif von all den Bullshit Witzen, die ich dir zuwerfe. Mein Körper tut von meiner Performance weh. Ich verschwende meine Kraft, wenn ich im Dunkeln weiter en pointe tanze. 

Und jeden, der auf meiner Seite ist, heiße ich herzlich willkommen im Club der vergessenen Versager; hier gibt es jede Woche eine neue Aufführung meiner Ängste und Sorgen. Eintritt frei. Komm gerne vorbei.